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Spiel Nicht Mit Den Schmuddelkindem Lyrics
Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, sing’ nicht ihre Lieder. »Geh
doch in die Oberstadt, mach’s wie deine Brüder«, 1 so sprach
die Mutter, sprach der Vater, lehrte der Pastor. Er schlich aber immer
wieder durch das Gartentor und in die Kaninchenställe, wo sie
Sechsundsechzig spielten um Tabak und Rattenfelle - Mädchen unter
Röcke schielten - wo auf alten Bretterkisten Katzen in der Sonne
dösten - wo man, wenn der Regen rauschte, Engelbert, dem
Blöden, lauschte, der auf einen Haarkamm
biß, Rattenfängerlieder blies. Abends am Familientisch, nach
dem Gebet zum Mahl, hieß es dann: »Du riechst schon wieder nach
Kaninchenstall. Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, sing nicht ihre
Lieder. Geh doch in die Oberstadt, mach’s wie deine Brüder!
» 2 Sie trieben ihn in eine Schule in der Oberstadt, kämmten ihm
die Haare und die krause Sprache glatt. Lernte Rumpf und Wörter
beugen. Und statt Rattenfängerweisen mußte er das Largo
geigen und vor dürren Tantengreisen unter roten Rattenwimpern par
cur Kinderszenen klimpern - und, verklemmt in Viererreihen, Knochen morsch
und morscher schreien - zwischen Fahnen aufgestellt brüllen,
daß man Freundschaft hält. Schlich er manchmal abends zum
Kaninchenstall davon, hockten da die Schmuddelkinder, sangen voller
Hohn »Spiel nicht mit den Schmuddelkindern ... « 3 Aus Rache ist er
reich geworden. In der Oberstadt hat er sich ein Haus gebaut. Nahm jeden Tag
ein Bad. Roch, wie beßre Leuten riechen. Lachte fett, wenn alle
Ratten ängstlich in die Gullys wichen, weil sie ihn gerochen
hatten. Und Kaninchenställe riß er ab. An ihre Stelle
ließ er Gärten für die Kinder bauen. Liebte hochgestellte
Frauen, schnelle Wagen und Musik, blond und laut und honigdick. Kam
sein Sohn, der Nägelbeißer, abends spät zum Mahl, roch er an
ihm, schlug ihn, schrie: »Stinkst nach Kaninchenstall. Spiel nicht mit den
Schmuddelkindern ... « 4 Und eines Tages hat er eine Kurve glatt
verfehlt. Man hat ihn aus einem Ei von Schrott herausgepellt. Als er
später durch die Straßen hinkte, sah man ihn an Tagen auf
‘nem Haarkamm Lieder blasen, Rattenfell am Kragen tragen. Hinkte
hüpfend hinter Kindern, wollte sie am Schulgang hindern und schlich
um Kaninchenställe. Eines Tags in aller Helle hat er dann ein Kind
betört und in einen Stall gezerrt. Seine Leiche fand man, die im
Rattenteich rumschwamm. Drumherum die Schmuddelkinder bliesen auf dem
Kamm: »Spiel nicht mit den Schmuddelkindern ... «
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